EU-Kommission prüft strengere Auflagen für Amazon und Microsoft

EU-Kommission

Die EU-Kommission hat eine Untersuchung eingeleitet, um zu überprüfen, ob die Cloud-Dienste von Amazon und Microsoft den Markt dominieren und künftig strengeren europäischen Digitalvorgaben unterliegen sollten. Konkret betrifft dies die Cloud-Computing-Plattformen Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure, die zu den größten Anbietern weltweit gehören.

Cloud-Computing-Dienste ermöglichen es Unternehmen und Verbrauchern, Speicherplatz, Software oder Rechenleistung über das Internet zu nutzen, ohne die notwendige Hardware oder Software selbst zu besitzen. Beide Anbieter, AWS und Microsoft Azure, haben sich in den letzten Jahren eine sehr starke Marktstellung erarbeitet, wobei sie neben Google Cloud als sogenannte Hyperscaler gelten – also als Anbieter mit enormer Reichweite und Marktmacht.

Die EU-Kommission will nun klären, ob AWS und Azure die Anforderungen des sogenannten Digital Markets Act (DMA) erfüllen, der seit 2022 in der EU in Kraft ist. Der DMA verpflichtet Unternehmen, die als Torwächter bezeichnet werden – also solche mit marktbeherrschender Stellung – dazu, den Marktzugang für kleinere Wettbewerber zu erleichtern und wettbewerbswidriges Verhalten zu verhindern. Diese „Torwächter“ unterliegen verschärften Regeln, die ihnen unter anderem den Zugang zu wichtigen Märkten oder Daten für kleinere Anbieter verwehren können. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen von bis zu zehn Prozent des globalen Jahresumsatzes.

AWS und Azure – sehr starke Marktposition

Die EU-Kommission hat zwar festgestellt, dass sowohl AWS als auch Azure eine sehr starke Marktposition innehaben, jedoch noch nicht die nötigen Schwellenwerte erreicht haben, um offiziell als Torwächter eingestuft zu werden. Das bedeutet, dass sie bislang nicht den strengen Vorschriften des DMA unterliegen. Dennoch will die EU-Kommission prüfen, ob die Marktdominanz der beiden Unternehmen mit den geltenden Vorschriften des DMA in Einklang steht und diese ausreichend sind, um fairen Wettbewerb im Cloud-Computing-Sektor zu gewährleisten.

Microsoft erklärte, sich voll und ganz an der Untersuchung beteiligen zu wollen, während AWS betonte, dass man zuversichtlich sei, dass die Dynamik des Marktes und die Wahlmöglichkeiten für die Kunden berücksichtigt werden würden. Dennoch ist die Wettbewerbslage kritisch. Kritiker werfen den Hyperscalern vor, ihre Marktmacht zu nutzen, um den Wechsel von Kunden zu anderen Anbietern zu erschweren. Google hatte bereits vor etwa einem Jahr eine Beschwerde gegen Microsoft bei der EU eingereicht und dies als wettbewerbswidrig eingestuft.

Die EU-Kommission will ihre Untersuchung innerhalb der nächsten zwölf Monate abschließen und entscheiden, ob AWS und Microsoft Azure als Torwächter eingestuft werden. Falls dies der Fall ist, haben die beiden Unternehmen sechs Monate Zeit, um sich an die strengen Vorgaben des Digital Markets Act anzupassen.

Diese Untersuchung steht im Kontext einer breiteren Debatte über die Marktmacht großer Tech-Konzerne in Europa. Die EU hat in den letzten Jahren wiederholt regulatorische Maßnahmen ergriffen, um die Dominanz großer Unternehmen in der Technologiebranche zu überprüfen und gegebenenfalls einzuschränken, um ein ausgewogenes Wettbewerbsumfeld zu gewährleisten.

Kommentar vom Autoren

Darüber hinaus könnte eine Auflage für große Cloud-Dienste in der EU eingerichtet werden – und nicht nur für Hyperscaler, dass Kunden mit standardisierte Export und Import-Funktionen die Anbieter von Cloud-Dienste problemlos wechseln können. Diese Funktion ist in der Art bei Nextcloud vorhanden, wo Anwender ihre Daten von der einen Cloud zur nächsten Cloud umziehen können.

Nextcloud ist eine Open-Source-Softwarelösung, die es Nutzern ermöglicht, ihre eigenen Cloud-Dienste zu betreiben. Sie bietet Funktionen wie Dateispeicherung, -freigabe und -synchronisierung sowie Teamzusammenarbeit und ist eine beliebte Alternative zu kommerziellen Cloud-Anbietern wie Google Drive oder Dropbox, da sie auf eigenen Servern gehostet werden kann und vollständige Kontrolle über die Daten gewährleistet.

Quellen: br, handelsblatt, sueddeutsche, wiwo und zeit

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